Liebe Gemeindeglieder,

jeder kennt sie, die Pusteblume, diesen duftigen Ball aus winzig kleinen, zarten Fallschirmchen. Die sitzen da wie auf einer Palette und warten, dass einer vorbeikommt, beide Backen aufbläst und sie in alle Welt pustet. Normalerweise besorgt das der Wind. Hunderte, tausende Fallschirmchen auf einmal löst er von ihrer Palette, und sie schweben hinein in den Frühlingshimmel. Jedes von ihnen trägt am unteren Ende ein kleines, braunes Samenkorn.

Wo immer der kleine Fallschirm landen wird nach langem Schwebeflug, dort wird er das Samenkorn ablegen. Eine neue Löwenzahnpflanze kann entstehen, wachsen, blühen, und alles beginnt wieder von vorn. Wenn unsere Wiesen im Mai gelb sind vor lauter Löwenzahn, dann zeigt sich, wie erfolgreich die Fallschirmchen waren.

Etwas ganz Ähnliches ist zu Pfingsten geschehen. Die Jünger saßen zusammen und warteten auf etwas, das passieren sollte. Wochen zuvor, mit dem Tod Jesu, war auch alles Leben aus ihrem einst blühenden Kreis gewichen. Sie hatten sich zurückgezogen, die Türen verriegelt und sich versteckt. Dann war ihnen der auferstandene Herr erschienen. Noch schwankten sie zwischen der österlichen Freude und der Angst vor der Zukunft. Doch nun kam Pfingsten und mit Gottes Geist kam neues Leben in sie.

„Und es erhob sich ein Brausen, wie von einem gewaltigen Wind.“ Sicher wussten die Jünger nicht gleich, wie ihnen geschah, als es sie hinausblies aus dem Haus in die Öffentlichkeit der Stadt. Auch die Leute, die sie hörten, waren erstaunt. Aber der Funke sprang über. Gottes Wort berührte die Herzen. Gottes Geist schenkte Glauben, schenkte neues Leben. Und viele, von denen, die nun zur ersten christlichen Gemeinde gehörten, wurden ebenfalls wie von einem Wind erfasst und in alle Welt hinausgetragen. Überall, wohin sie auch kamen mit ihrer Botschaft, entstanden neue Gemeinden.

Anfang Juni feiern wir Pfingsten. Dürfen wir auch auf ein Pfingstwunder wie vor 2000 Jahren warten? Ja, wir dürfen Gott bitten, dass sein Geist unsere Kirche, unsere Gemeinden erneuert. Dass er uns ergreift und mit Leben füllt. Und dass geschieht, was diese Welt braucht: Menschen tragen das Samenkorn, Gottes gutes Wort, in die Welt. Sie lassen sich vom Pfingstgeist dorthin führen, wo Gott durch sie wirkt und wo er sein Wort und Leben in Fülle schenken will: Leben in der frohen Gewissheit, von Gott geliebt und gebraucht zu werden, stärkende Gemeinschaft mit allen, die sich der Botschaft Jesu öffnen, Mut zu Wahrheit und Gerechtigkeit, Liebe und Barm-herzigkeit im Umgang mit den Schwachen und Benachteiligten dieser Welt.

Wir bitten Gottes guten Geist auch um Ermutigung angesichts schwieriger Erfahrungen, die wir machen. Nach der Erkrankung Ihrer Pfarrerin Astrid Kühme hat unser Superintendent Frank Manneschmidt mich gebeten, die Vertretung zu übernehmen. Dennoch werden wir uns sicher nur selten begegnen. Erfreulicherweise sind sehr viele angestellte oder ehrenamtliche Mitarbeiter bereit, mit engagiertem Dienst die Zeit der Krankheit von Frau Kühme zu überbrücken. Dafür herzlichen Dank, auch für alle Fürbitte, mit der Sie an Ihre Pfarrerin denken! Gemeinsam wünschen wir ihr eine gute Genesung.

Zugleich wünsche ich uns, dass wir „Samenträger“ des guten Wortes Gottes und so beweglich sind, wie es uns die Pusteblume vormacht. In diesem Sinne: Eine gesegnete Frühlings- und Frühsommerzeit!

Es grüßt Sie, auch im Namen der Mitarbeiter und Kirchenvorsteher,
Ihr Johannes Dziubek, Pfarrer in Einsiedel und Reichenhain