Als in den späten Abendstunden des 5. März 1945 englische Bomberverbände ihre todbringende Last auf Chemnitz warfen, schien das Ende der Stadt besiegelt: Die Innenstadt brannte lichterloh, tausende Menschen fanden den Tod. Wohnstätten, Schulen, Betrie-be und Krankenhäuser wurden zerstört. Neben den vielen anderen kulturhistorisch bedeutsamen Bauwerken wurde auch die neugotische St. Nikolaikirche mit Pfarrhaus und Kantorat auf dem Niklasberg an der Stollberger Straße ein Opfer der Bomben. Aus den Trümmern barg man das Altarkruzifix und brachte die Christusfigur 1955 am Hochkreuz auf dem Friedhof neben dem Gedenkstein für 108 Opfer der Bombenangriffe an. In acht Gemeinschaftsgräbern, verschiedenen Erbbegräbnissen und anderen Grabstellen fanden insgesamt 172 Opfer der Luftangriffe auf Chemnitz ihre letzte Ruhestätte.

Das Hochkreuz mit dem Corpus Christi, einst gegossen aus dem Material älterer Kirchenglocken von St. Nikolai, steht symbolisch für die Zerstörung der geistigen Heimstatt der Kirchgemeinde St. Nikolai. In der Konsequenz aus dem Verlust aller geistlichen Gebäude schlossen sich die Kirchgemeinden St. Nikolai und St. Thomas im Oktober 1945 zu St.-Nikolai-Thomas  wieder zusammen, so dass das Gemeindehaus St. Thomas in der Chopinstraße 42 und die Friedhofskapelle St. Nikolai in der Michaelstraße 15 als Gottesdienst- und Versammlungsstätten für die vereinigte Kirchgemeinde dienen konnten.

An dem Jahrhunderte währenden Standort der St. Nikolaikirche erinnert eine durch Verwitterung schlecht lesbare Gedenktafel an der Stützmauer an der Stollberger Straße. Daher hat der Kirchenvorstand anlässlich dieses Jahrestags beschlossen, diese Gedenktafel durch eine neue Tafel aus rötlichem Granit mit Übernahme des bisherigen Kirchenmotivs und der Inschrift zu ersetzen. Das Vorhaben wird vom Steinmetzbetrieb Fa. Osswald ausgeführt. Damit soll eine langzeitig sichtbare Erinnerung an den historischen Standort dieses bedeutenden Gotteshauses für die Bürger und Besucher unserer Stadt erhalten bleiben.

Zur Erinnerung an den 5. März 1945, den für die Stadt Chemnitz so schicksalsschweren Tag, den Toten zum Gedenken und den Lebenden zur Mahnung laden wir am Sonntag, den 8. März im Anschluss an den Gottesdienst zu einem Memorial mit kurzer Gedenkansprache, Posaunenmusik und Kranzniederlegung am Hochkreuz auf unserem Friedhof ein.

Ursula Kutscha, Werner Kühn