Liebe Gemeindeglieder,

wenn man die Jerusalemer Altstadt durch das Zionstor verlässt, ist es nicht mehr allzu weit bis zu einer Kirche mit dem umständlichen Namen „St. Peter, während der Hahn kräht“. An dieser Stelle hat, so wird vermutet,  ursprünglich der Palast des Hohenpriesters Kaiphas gestanden. Hierher wurde Jesus nach seiner Verhaftung im Garten Gethsemane gebracht. Hier fand das erste Verhör statt. Hier kam es auch zu jener Szene, der die erwähnte Kirche ihren Namen verdankt:

Petrus ist im Dunkel der Nacht der bewaffneten Truppe mit ihrem Gefangenen auf dem Weg durch das Kidrontal gefolgt. Er hat sich über die steil hinauf führende Makkabäer-treppe bis zum Palast des Hohenpriesters gewagt. Im Hof des Palastes mischt er sich unter die Anwesenden, offenbar in der Hoffnung, nicht erkannt zu werden. Doch auf einmal steht er im Mittelpunkt prüfender Blicke und kritischer Fragen: „Du gehörst doch auch zu diesem Jesus von Nazareth.“ Petrus hält dem nicht stand. Wie weggewischt ist all das, was er in den vergangenen Monaten und Jahren mit Jesus erlebt und von ihm gelernt hat. Vergessen ist, dass er seinem Herrn die Treue bis in den Tod versprochen hat. Voller Angst leugnet er: „Ich kenne jenen Menschen nicht. Ich habe mit ihm nichts zu tun.“ Jesus sieht ihn an. Und Petrus wird bewusst, wie schrecklich er versagt hat. Der Hahn kräht, und Petrus weint bittere Tränen der Selbsterkenntnis und Reue.

Später wird Petrus seinem auferstandenen Herrn ganz neu begegnen. Der wird Petrus fragen, was er, der Herr, seinem Jünger bedeutet. „Hast du mich lieb?“ Und nach seiner Antwort wird der Herr ihn beauftragen, für seine „Herde“ zu sorgen, besonders für jene, die jung im Glauben, schwach und gefährdet sind: „Weide meine Lämmer“, wird der Herr zu ihm sagen. Und Petrus wird sich hingebungsvoll einsetzen, wird Menschen in ihrem Glauben schützen, fördern und stärken. Dabei darf er an der Gewissheit festhalten, dass Gott auch mit dem etwas vorhat, der versagt hat oder in der Gefahr steht, durchzufallen.

Wie gut für uns, dass wir Jesus Christus gehören dürfen, dem besten aller Herrn: Ihm, der Versagern vergibt und sie neu als sein Eigentum annimmt. Ihm, der uns sein Leben schenkt. Auch dann noch, wenn auf dieser Erde längst kein Hahn mehr nach uns kräht, bleibt uns seine Treue, trägt uns seine Liebe.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen,
auch im Namen der Mitarbeiter und Kirchenvorsteher,
Ihr Johannes Dziubek, Pfarrer