Adolf Ludwig Bewilogua wurde am 21. März 1869 als Sohn des Bürgermeisters in Elstra geboren. Er wirkte nach dem Studium der Theologie zunächst einige Jahre als Lehrer, bevor er seine erste Pfarrstelle in Lawalde bei Löbau antrat. Vier Jahre später ging er nach Helbigsdorf bei Freiberg und ab 1914 war er in Erlabrunn tätig.

Weil er sich in der aufstrebenden Großstadt Chemnitz unter anderem eine bessere Bildung für seine Kinder versprach, kam er 1922 in die Gemeinde St. Nikolai. Zunächst war er hier zweiter Pfarrer, 1925 wurde ihm die Leitung der großen Gemeinde als erster Pfarrer übertragen. Während seiner Amtszeit bis 1935 bewirkte er auch eine umfangreiche Innenerneuerung des Gotteshauses und die Aufstellung einer neuen Orgel, die seinerzeit als die modernste in ganz Europa galt.

Neben den vielfältigen Aufgaben im geistlichen Amt widmete er sich immer wieder gern seinem Steckenpferd, der Geschichte. Er war auch als Lehrer an der Handelslehranstalt an der Hedwigstraße tätig. 1946 wurde er zum Archivpfleger von Chemnitz berufen.

Mit seinem Büchlein „Die Geistlichen der St. Nikolaikirche in Chemnitz seit Einführung der Reformation 1539 bis zur Gegenwart“ (1929) schuf Pfarrer Bewilogua ein interessantes und vielseitiges Bild der Entwicklung der Parochie St. Nikolai. Er stellte die dort wirkenden Geistlichen im historischen Umfeld ihrer Zeit dar. Aus vergilbten Pfarramtsakten und Kirchenbüchern trug er Ereignisse wie Kriegsjahre, Bausachen, Teuerungen, Pestzeiten u. a. zu-sammen. Diese Beschreibung ist gleichzeitig ein Spiegelbild des Zeitenwandels und der Stadtgeschichte. Die Schrift – damals gedacht, um das Interesse der Gemeinde an ihrer Geschichte zu wecken – ist für uns heute ein wertvolles Zeugnis von vierhundert Jahren Gemeindegeschichte. Weil das alte Kirchenarchiv ein Opfer der Flammen bei der Zerstörung der St. Nikolaikirche 1945 wurde, sind kaum noch alte Dokumente vorhanden.

Sein Grabstein steht heute in der Grünanlage vor der Kirche und erinnert an einen Pfarrer unserer Gemeinde, dem die Bewahrung der Historie wichtig war.

Ursula Kutscha