Liebe Gemeindeglieder,

die Urlaubszeit verspricht wieder viele Gelegenheiten, noch unbekannte Kirchen zu erkunden. Ihre Türme machen schon von weitem auf sich aufmerksam und weisen uns den Weg. Durch wunderschöne Portale betreten wir ihr Inneres. Angekommen, ruht unser Blick auf Pfeilern und Säulen, Altären und Bildwerken, Leuchtern und Orgelpfeifen, Fenstern und Gestühl. An gotischen Kirchen beeindrucken mich die Gewölbe oft ganz besonders. Um ihr kostbares Netzwerk zu betrachten, lege ich meinen Kopf schon mal für ein paar Minuten in den Nacken.

In Domen und Kathedralen staunen wir nicht nur über die Kunstfertigkeit vergangener Generationen, wir begegnen auch ihrem Glaubenszeugnis. Der Kirchenraum schenkt Geborgenheit und Weite in einem. Wir lassen uns auf eine Kirchenbank sinken, verweilen, kommen zur Ruhe. Wir sind eingeladen, uns auf die Gegenwart Gottes einzulassen. Wir bedenken den Augenblick im Angesicht der Ewigkeit. Es ist Zeit für ein Gebet. Wir werden uns bewusst, wieviel Grund zur Dankbarkeit es doch gibt. Wir legen ab, was uns vom Alltag her noch nachgeht, lassen Sorgen und Ärger los. Wir bitten um neue Kräfte, um Gelassenheit, um Gesundheit. Wir bitten für andere. In manchen Kirchen kann, wer will, dabei eine Kerze entzünden.

Wie gut, dass es diese Momente gibt, wo das Betrachten und Erkunden von altehrwürdigen Gebäuden übergeht in eine persönliche Begegnung mit dem Herrn, den kein Kirchenraum fassen kann. Das Gebet fällt dann auch dem Nichtbeter leichter. Nötig sind jetzt keine großen Worte. Es genügt die Offenheit, den liebevollen Blick Gottes auf sich ruhen zu lassen und dabei auszuhalten, dass dieser Blick uns bis in die Tiefe durchdringt. Ein Liedvers von Gerhard Tersteegen handelt davon:

Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten,
lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Unsere Seele atmet gewissermaßen auf, und wir verlassen den Kirchenraum gestärkt, getröstet, frohen Mutes – erfrischt von der Quelle des lebendigen Wassers. Für die Urlaubszeit wünsche ich Ihnen gute Erholung und viele gute Erlebnisse.

Seien Sie herzlich gegrüßt, auch im Namen der Mitarbeiter und Kirchenvorsteher, Ihr Johannes Dziubek, Pfarrer