Die Malerin und Grafikerin Martha Schrag wurde am 29. August 1871 in Borna bei Leipzig geboren. Anlässlich ihres 150. Geburtstages hatte unsere Kirchgemeinde am 29. August eine Gedenkveranstaltung für die Künstlerin geplant, die jedoch auf Grund der gegenwärtigen Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden kann.

Martha Schrag lebte seit 1884 in Chemnitz und widmete sich, entgegen den Vorstellungen ihrer Eltern von einem gutbürgerlichen Leben, der Malerei. Von 1898 bis 1904 besuchte sie die Dresdener Malschule für Damen und 1904 präsentierte sie ihre Arbeiten erstmals bei einer Ausstellung in Chemnitz. Hier wurde auch Dr. Adolf Thiele auf sie aufmerksam und er war ihr viele Jahre lang ein Freund und Förderer. Er ermutigte sie zu Studien der Arbeitswelt und dadurch entstanden zahlreiche Arbeiten, bei denen der schwerarbeitende Mensch im Mittelpunkt steht. Frühzeitig schon wurde ihr bestätigt, dass sie „… ein Herz für die Mühseligen und Beladenen hat.“ In ihren Werken zeigt Martha Schrag nicht nur soziale Missstände auf, sondern sie bevorzugte auch immer wieder Motive ihrer Heimatstadt bzw. landschaftliche Inspirationen. Während der NS-Zeit wurden die Arbeiten von Martha Schrag als „entartete Kunst“ aus Museen entfernt und bei der Zerstörung ihres Ateliers am 5. März 1945 wurden viele ihrer Arbeiten vernichtet.

Hiddensee (Neuendorf) 1946

Anlässlich ihres 80. Geburtstages wurde Martha Schrag für ihr künstlerisches Werk mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Chem-nitz ausgezeichnet.

Martha Schrag starb am 10. Februar 1957 in Karl-Marx-Stadt. Bei der Trauerfeier betonte Dr. Josef Müller: „Martha Schrag ist ohne Schwanken immer ihren Weg gegangen. Wir dürfen heute rückblickend ihr zur Ehre und uns zur Nacheiferung sagen, dass ihr Werk stets getragen war von den hohen Idealen der Menschlichkeit, der Ehrlichkeit, des künstlerischen Verantwortungsbewusstseins.“

Ihre letzte Ruhestätte gehört zu den meistbesuchten Grabstellen bedeutender Chemnitzer Persönlichkeiten auf unserem St. Nikolaifriedhof.