Zur Nachahmung empfohlen

Bereits als Kinder fangen wir an andere nachzuahmen. Zunächst sind es Eltern und Geschwister, später kommen Erzieherinnen, Lehrer, Freunde und vielleicht auch irreale Figuren aus Hörspielen oder Büchern hinzu, bei denen wir uns Verhaltensweisen abschauen. Und auch im Erwachsenen-alter hören wir nicht auf uns Vorbilder zu suchen, denen wir nacheifern können – Fernsehköche, Fitnesscoachs, Forscher usw.

Wir imitieren andere, weil wir uns davon einen Vorteil versprechen. Wir möchten Neues lernen, dazugehören und vielleicht selbst einmal für andere zum Vorbild werden.

Dabei klappt das nicht immer von heute auf morgen. Manches braucht viel Zeit, Training und Geduld, bis die ersten Fortschritte zu sehen sind. Oft ist das auch verbunden mit der Einsicht, dass es bei der Nachahmung bleibt und wir es einem anderen nicht gleichmachen können.

Die Jahreslosung für 2021 möchte uns zur Nachahmung einladen:

Jesus Christus spricht:
Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Was für eine Aufforderung! Und so will sich bei mir sofort der Gedanke einschleichen: Das ist doch eh nicht zu schaffen. Da brauche ich gar nicht erst anfangen.

Aber ich möchte diesen Vers nicht einfach so über diesem Jahr stehen lassen – ohne Bedeutung, ohne Konsequenzen und in dem Wissen, es nicht einmal versucht zu haben. Deshalb frage ich nach Hilfe, suche nach Entlastung und Mut in dieser Jahreslosung.

Gott selbst hat sich uns zum Vorbild gemacht. Er ist in Jesus menschlich geworden, ist als Freund, Lehrer und vieles mehr in die Welt gekommen, in der wir leben. Und dieser Jesus ist es, der uns zur Barmherzigkeit aufruft, nicht ohne sie uns vorgelebt zu haben. Es bleibt nicht beim bloßen Befehl „Seid barmherzig!“. Denn wir bekommen die Gebrauchsanweisung gleich mitgeliefert. Durch das Leben Jesu in der biblischen Überlieferung können wir vom barmherzigen Vater lesen, lernen und IHN nachahmen. Entgegen aller Angst, dass es auf unsere Kosten gehen bzw. man uns ausnutzen könnte, wenn wir barmherzig sind.

Unser Vater im Himmel wird uns in diesem Jahr vor die ein oder andere Herausforderung stellen, in der unsere Barmherzigkeit gefragt ist: indem wir großzügig sind, vergebungsbereit, friedvoll, wohlwollend, unvorein-genommen oder wie auch immer Jesus in der jeweiligen Situation reagiert hätte. Sollte ich es dann doch nicht schaffen, kann ich trotz allem gewiss und getrost sein, dass ER barmherzig ist – auch mit meiner Unbarmherzigkeit. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch ein barmherziges 2021.

Pfarrer Benjamin Philipp