Es gibt ja so Menschen, die haben die Begabung, mit der Tür ins Haus zu fallen. Ohne Vorwarnung wird eine Ansage gemacht und das Gegenüber ordentlich überrumpelt. Jetzt stell dir vor, eine solche Person ruft just in diesem Augenblick bei dir an und gibt dir bekannt: „Freue dich, ich komme und will bei dir wohnen.“ Vielleicht lautet deine erste Frage, ob die berühmten Tassen noch alle dort sind, wo sie eigentlich hingehören. Doch man möchte ja nicht unhöflich sein. Das führt dazu, dass im Nullkommanix Argumente gesucht und gefunden werden, warum das gerade eher ungünstig ist. Keine Zeit, kein Platz, keine Ordnung. Aber vielleicht ein andermal …

Vor langer Zeit war es der Ruf Gottes, den der Prophet Sacharja seinem Volk weitergab. So heißt es in Sacharja 2,14: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Einwohner Jerusalems die Hände über dem Kopf zusammenschlugen, als sie das hörten. Nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft waren sie noch lange nicht da, wo sie sein wollten. Die Stadt eine einzige Baustelle, der Tempel noch nicht fertiggestellt, und daneben die ganz alltäglichen Probleme.
Keine Zeit, kein Platz, keine Ordnung – um den HERRN gebührend in Empfang zu nehmen.

Die Worte Sacharjas sind in der christlichen Kirche zu festen Bestandteilen in der Advents- und Weihnachtszeit geworden. Die NachfolgerInnen von Jesus erkannten in ihm das Kommen und Wohnen Gottes unter den Menschen. Und dort wo Jesus einziehen konnte, veränderte das Menschen und deren Leben und tut das bis heute. Die dadurch hervorgerufene Freude können diejenigen, die sich von seinem Kommen überrumpelt fühlen und es ablehnen, noch nicht erfahren.

ER kommt nicht zu uns, um zu kontrollieren, wie es bei uns aussieht. ER kommt, um unser Leben in Ordnung zu bringen. ER kommt, um den Platz zu schaffen, den Gott in unserem Leben verdient hat. ER kommt, um aus der Zeit eine Ewigkeit zu machen. Es lohnt sich, die Tür zur eigenen Wohnung, zum eigenen Herzen, immer zumindest einen Spalt offen zu lassen. Und wenn du diese Erfahrung schon gemacht hast, dann empfehle IHN gern weiter.

Ich wünsche von Herzen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr/Euer Pfarrer Benjamin Philipp