Als sie den Stern sahen,
wurden sie hocherfreut.
Matthäus 2, 10

Hocherfreut werden – diesen Zustand wünscht man sich doch. Glücklich und einverstanden sein mit dem, was gerade ist, eins mit sich, Gott und der Welt und im Herzen denken: Verweile doch, du bist so schön!

Aber wie geht das? Ganz einfach, als sie den Stern sahen, ist es passiert. So erzählt es Matthäus in seinem Evangelium. Hocherfreut waren die Weisen aus dem Morgenland, als sie den Stern am Himmelsfirmament entdeckten. Mit ihm war ein besonderes Ereignis verknüpft: die Geburt eines neuen Königs, des Retters der Welt, den die Propheten schon lange zuvor angekündigt hatten. So wurden sie hocherfreut. Ob im Trubel der Weihnachtseinkäufe oder nach der Bescherung dieser Zustand erreicht wird?

Nun wurde es nicht sofort Weihnachten für die Sterndeuter. Erst einmal setzte die Entdeckung sie in Bewegung. Schritt für Schritt folgten sie dem Stern, setzten ihre Füße ins Ungewisse. So mundgerecht wie wir heute Weihnachten serviert bekommen, ist Weihnachten nicht. Zwar müssen wir keine beschwerliche Reise zurücklegen, aber einige Hindernisse gilt es doch zu überwinden, in überzogenen Erwartungen an ein perfektes Fest zum Beispiel, die mich wider besseren Wissens alle Jahre erneut befallen.

Die Sterndeuter werden gestutzt haben, als sie den neugeborenen König erblickten. So gar nicht royal lag das Kind im Schoß eines armen jüdischen Mädchens. Doch der Stern strahlte hell über dem Stall und erinnerte sie daran: Auch wenn jetzt alles anders ist, als ersehnt und vorgestellt, hier sind sie genau richtig. Wo auch immer Sie Weihnachten verbringen: allein zu Hause oder in Familie, am Krankenbett oder in einer Kirche – es ist Ihre Stunde, und Hoffnungslicht will sich auch in Ihnen ausbreiten.

Die Sterndeuter legen ab, was sie an Lasten mit sich tragen, erst die Geschenke, dann sich selbst. Sie fallen vor dem Kind auf die Knie und beten. Wir wissen nicht, was sie gebetet haben. Doch als sie aufstehen, sind sie verändert. Wer sich von seinem Gebet erhebt, ist ein anderer, eine andere: erhört und geschützt. Die Sterndeuter werden nicht zu Herodes zurückkehren, um das Kind zu verraten, sondern sie kehren mit aufrechtem Gang in ihre Heimat, in ihr Leben zurück. Sie blieben hocherfreut – vielleicht sogar ein Leben lang. Hocherfreute Weihnachtstage wünsche ich Ihnen.

Ihre Pfarrerin Astrid Kühme